Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2006
vom 22. bis 24. September im Kloster Strahlfeld bei Roding
Mitterschneidhart
Grundriss des Erdstalls Mitterschneidhart (PDF)
Wutzeldorf
Grundriss des Erdstalls Wutzeldorf (PDF)
Von Regine Glatthaar
Das Haus der Begegnung, das Kloster der Missionsdominikanerinnen in Strahlfeld, ist ein idealer Tagungsort. Beste Unterbringung und Verpflegung und vor allem die Räumlichkeiten mit den zur Verfügung gestellten modernen Kommunikationsmitteln sind die Voraussetzung für das gute und erfolgreiche Gelingen einer Tagung.
Der Arbeitskreis für Erdstallforschung weiß das zu nutzen und hielt am vergangenen Wochenende schon zum siebten Mal seinen Jahreskongress in Strahlfeld ab. Wieder waren Forscher aus Graz, Wien, allen Teilen der Bundesrepublik, besonders aus dem bayerischen Raum angereist, um sich intensiv mit dem "Phänomen Erdstall" auseinander zu setzen. Da nur zwei Tage zur Verfügung standen und ein umfangreiches Programm abgearbeitet werden musste, erfolgte am Freitagabend nach herzlicher Begrüßung und vorzüglichem Abendessen sofort der Einstieg in die Thematik. Nach einem kurzen Jahresrückblick der 1. Vorsitzenden Regine Glatthaar und dem Kassenbericht war zunächst die im dreijährigen Turnus durchzuführende Wahl der Vorstandschaft zu bewältigen. Peter Kiener hatte sich als Wahlleiter zur Verfügung gestellt und so konnten in schneller Folge die zehn Beisitzer durch Handzeichen gewählt werden. Es sind dies: Dieter Ahlborn, Graß-Aying; Edith Bednarik, Wiener Neustadt; Peter Forster, Gröbenzell; Dr. Walter Kick, Dachau; Peter Kiener, Wetterfeld; Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx, Cham; Dr. Heinrich Kusch, Graz; Manfred Moser, Regensburg; Harald Schaller, Schwandorf; Josef Weichenberger, Linz.
Dr. Thomas Beilner, München, und Dr. Thomas Striebel, Bayreuth, wurden als Kassenprüfer bestätigt. Die Kasse führt weiterhin Christine Glatthaar, Kempten, Schriftführerin bleibt Dorothée Kleinmann, Darmstadt, die auch mit 80 Jahren sämtliche Erdstallbefahrungen mit Bravour meistert. 2. Vorsitzender ist wieder Anton Haschner, Markt Indersdorf, und 1. Vorsitzende bleibt Regine Glatthaar aus Roding.
Im Anschluss zeigte Peter Forster wunderbare Dias der letztjährigen Tagung.
Am Samstagvormittag wurden in rascher Folge vier Vorträge gehalten, dabei wurden Objekte aus Niedersachsen, neue Erdstallfunde in der Obersteiermark, Erdställe im Weinviertel südlich der Donau vorgestellt, was beweist, wie überregional die Erdstallforschung betrieben wird. Roland Winkelhöfer, Dresden, hielt einen Vortrag über Geleuchte in Erdstallanlagen.
Die Excursion am Samstagnachmittag wird immer mit großer Spannung erwartet. Heuer fuhr ein vollbesetzter Bus mit Schrazeln nach Mitterschneidhart, Gde. Langquaid, auf den Hof des Landwirts Jakob Gerl. Dort war 1991 beim Bau eines Güllesilos eine große, labyrinthisch anmutende Erdstallanlage entdeckt worden, die durch einen Einstiegsschacht zugänglich ist. Das Besondere dieses Erdstalls, dessen Westteil eine Kreuzform bildet, ist an der tiefsten Stelle ein Siphon, der immer mit Wasser gefüllt ist. Seine Befahrung ist nur möglich, wenn man nasse Füße und nassen Hosenboden oder Schlimmeres riskieren will. Einer nach dem anderen verschwand im tiefen Schacht, während die restlichen Excursionsteilnehmer gelassen auf der Wiese und den Mäuerchen im Hof saßen, die warme Herbstsonne genießend, und geduldig darauf warteten, bis die Reihe an ihnen war, in die Unterwelt abzutauchen.
Von Mitterschneidhart ging es zurück in den Bayerischen Wald nach Wutzldorf, wo beim Anwesen Fuchs bereits 1962 ein Schrazelloch entdeckt wurde, dessen Zugang vorbildlich gesichert ist. Frau Fuchs hat sich sehr gefreut über das Interesse der großen Forschergruppe. Der Erdstall von Wutzldorf wurde von Karl Schwarzfischer akribisch untersucht und diente als Vorbild für das Erdstallmodell im Museum in Walderbach, das vor Jahren von Eduard Wittenzellner gefertigt wurde.
Nach der glücklichen Rückkehr nach Strahlfeld und einem reichlichen Abendessen setzte sich die Gruppe wieder im Vortragsraum zusammen.
Mit großartigen Dias wurden neue Erdställe in Oberviechtach, Höcherlmühle bei Teunz, Doblberg und Gaggers bei München und Osterhofen-Altenmarkt vorgestellt.
Am Sonntagvormittag ging man nach so viel Praxis eher in die Theorie. Noch immer wird nach Sinn und Zweck der Erdställe gesucht, werden Verbindungen zu anderen unterirdischen Kulten hergestellt. So befasste sich ein Vortrag mit vergleichbaren Elementen in den Katakomben und den Abschluss machten "Unorthodoxe Gedanken zum Phänomen Erdstall". Nach dem Mittagessen nahm man herzlich Abschied. Viele neue Erkenntnisse wurden wieder zusammengetragen. Zum Schluss hieß es: "Nächstes Jahr in Strahlfeld!"