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Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2003        

26. bis 28.09.2003 im Kloster Strahlfeld bei Roding

Erdstall Untervirau

Erdstall Götzelhof

Tagung im Kloster Strahlfeld
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Von Stephan Glatthaar
Das Rätsel der Erdställe bleibt ungelöst Jedoch neue Erkenntnisse in der Erdstallforschung - erstmals wurde ein vollständig erhaltener Erdstall archäologisch dokumentiert
Mitglieder des Arbeitskreises für Erdstall­forschung aus Roding trafen sich am vergangenem Wochenende zu ihrer jährlichen Tagung im "Haus der Begegnung" im Kloster Strahlfeld. Wie schon die Jahre zuvor war auch heuer wieder eine kleine Gruppe österreichischer Erdstallforscher angereist.

Mit Hochspannung erwartet wurden die archäologischen Ausgrabungsberichte am Samstag über die sensationelle Entdeckung eines noch vollständig erhaltenen Erdstalls. Der Erdstall war durch Zufall im Frühling 2002 auf einer Wiese bei Kühried im Landkreis Schwandorf entdeckt worden und wurde erstmals vollständig wissenschaftlich dokumentiert. Dr. Thomas Beilner und Peter Forster vom Grabungsteam erläuterten detailliert die Fundlage und gaben einen Überblick über den Grabungsablauf. Die Verfüllung im nördlichen Einstiegsschacht bestand demzufolge aus Granulitgestein sowie möglicherweise Resten eines Gewölbes im oberen Teil und mehreren Ascheschichten in den tieferen Lagen. In der Verfüllung wurden auch zahlreiche Gebrauchsgegenstände gefunden, so der ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege Harald Schaller. Dabei handelte es sich zum größten Teil um Fragmente einfacher bäuerlicher Keramik aus dem 11.-12. Jahrhundert. Die von Verena Kaufmann von der Universität Bamberg datierte Keramik wurde damals noch ohne Einsatz einer schnell drehenden Töpferscheibe hergestellt (sogenannte nachgedrehte Ware). Sie lässt sich damit zeitlich genau einordnen, da im ausgehenden Mittelalter bereits fortgeschrittene Herstellungstechniken verwendet wurden. Weiter wurden Messerfragmente, Teile einer Sichel, eine Pfeilspitze sowie ein Spinnwirtel aus Speckstein gefunden, die Schaller zufolge ebenfalls dem 11.-12. Jahrhundert zuzurechnen sind.

Wissenschaftliche Auswertung der Fundlage

Erst seit kurzer Zeit ist die Bedeutung der Bauhilfsschächte bekannt. Damit, so vermutet man, konnten die Erbauer einen Erdstall von mehreren Seiten her gleichzeitig graben. Besonderes gespannt war man daher, als man die Umrisse des Bauhilfsschachtes lokalisieren konnte und diesen dann archäologisch freilegte. Entgegen aller Erwartungen war dieser nahezu fundleer, lediglich einige Holzkohlenreste an der Sohle konnten geborgen werden. Zusammen mit im mittleren Verbindungsstück gefundener Holzkohle wurde diese vom Landesamt für Denkmalpflege auf Reste des radioaktiven Isotops C14 untersucht. Damit lässt sich, so Dr. Beilner, das Alter von pflanzlichen Stoffen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestimmen. Der Erdstall Kühried ist demnach Ende des 10. Jahrhunderts bis Mitte des 11. Jahrhunderts n.Chr. entstanden.

Harald Schaller brachte die Freude zum Ausdruck, dass durch die professionelle Erfassung und Auswertung der Fundlage die Hälfte der entstandenen Kosten durch die Archäologische Gesellschaft getragen wurden. "Wir wüssten vielleicht mehr über die Erdställe, wenn wir noch öfters Funde dieser Kategorie wissenschaftlich auswerten könnten", so Schaller. Damit würden sich jedoch voreilig getroffenen Spekulationen über einen möglichen Bauzweck verbieten.

Vorausgegangen war der Vortragsreihe die Wahl des neuen Vorstandes am Freitagabend sowie die Entlastung der Vereinskasse. Kassenprüfer Alfred Bohrer dankt Hannelore Schulz für die korrekte und hervorragende Führung der Vereinskasse in den letzten 17 Jahren. Zur Vorsitzenden des Arbeitskreises wurde erneut Regine Glatthaar gewählt, 2. Vorsitzender wurde Anton Haschner aus München. Als Beisitzer hinzu kamen Prof. Dr. Dietrich Manske von der Universität Regensburg sowie Manfred Moser ebenfalls aus Regensburg. Neue Schriftführerin wurde das Ehrenmitglied Dorothee Kleinmann aus Darmstadt, neue Kassenführerin Christine Glatthaar, Kempten. Am Samstag Nachmittag standen der Besuch der Erdställe in Untervirau und Götzelhof auf dem Programm. Beide Erdställe wurden bereits in früheren Ausgaben der Schriftenreihen "Der Erdstall" dokumentiert und gelten mittlerweile als "Klassiker" der ostbayrischen Erdställe. Besonders das jüngste Wissen um die Bauhilfsschächte brachte neue Erkenntnisse über Bauweise und Entstehung. Regine Glatthaar fasste die dem Arbeitskreis bekannten Erdställe mit einem vermutetem Bauhilfsschacht am Freitagabend in einem Kurzvortrag zusammen und zeigte die Parallelen in der Bauweise auf.

Edith Bednarik aus Wien referierte am Sonntag über die Erdställe in dem Kapellenberg von Althöflein in Niederöstereich mit einer Gesamtlänge von 107 m. Ihrer Meinung nach stehen diese Erdställe, die bereits von dem österreichischen Heimatforscher P.Lambert Karner vor über 100 Jahren untersucht worden waren, in keinem Zusammenhang mit der mittelalterlichen Wehranlage. Auch die in den Erdställen zu findenden armdicken Löcher seien keine kompliziert angelegte Belüftungslöcher, wie vermutet, sondern seien vermutlich auf ausgewitterte Tiergänge zurückzuführen.

Frühchristliche Jenseitsvorstellungen

Beendet wurde die Vortragsreihe dann von Anton Haschner, der sich mit den Quellen jüdischer und frühchristlicher Jenseitsvorstellungen befasste. Haschner stellte die Hypothese auf, dass Erdställe noch aus Teilen des antiken Glauben heraus entstanden sein könnten, demzufolge die Seelen nach dem Tode in einer Art Zwischenzustand verweilten. Erst mit der weiträumigen Ausbreitung des Christentums in unserer Gegend und der damals völlig neuen Vorstellung von Himmel und Hölle sei die Epoche der Erdställe schlagartig zu Ende gegangen.