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Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2002        

27. bis 29.09.2002 im Kloster Strahlfeld bei Roding

Eröffnung der Erdstall-Ausstellung im Rathaus in Roding


Erdstall in Waffenbrunn


Erdstall in Oberviechtach


Erdstall in Kühried


Fachvorträge im Kloster Strahlfeld
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Sensation aus Kühried:
Der Erdstall wurde um das Jahr 1000 erbaut. Zwei Tage voller dichter Informationen und interessanter Exkursionen. Internationale Zusammenarbeit noch weiter ausbauen.
Niemand der Organisatoren und der Verantwortlichen im Arbeitskreis für Erdstallforschung hatte im Vorfeld davon gewusst: Samstag am späten Vormittag wartete Harald Schaller, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und bei den Ausgrabungen am neuentdeckten Erdstall Kühried maßgeblich beteiligt, mit der in Fachkreisen lang erhofften Sensation auf. Erstmals konnte durch Datierung einer im Bauschacht gefundenen Holzkohle das Alter der Erdställe zweifelsfrei geklärt werden. Rund 1000 Jahre alt ist somit das Schratzelloch im nördlichen Landkreis Schwandorf, das unter anderem am Nachmittag bei den Exkursionen der internationalen Erdstalltagung, die dieses Wochenende mit rund 100 Teilnehmern aus mehreren Ländern im Kloster Strahlfeld abgehalten wurde, besichtigt wurde.

Es war atemberaubend still im Vortragsraum des Kloster Strahlfeld; den rund 100 Erdstallforschern, die am Samstag Vormittag mit großem Interesse dem Fund- und Ausgrabungsbericht von Harald Schaller aus der Gemeinde Teunz und Peter Forster aus München verfolgten, stand die Spannung ins Gesicht geschrieben. Überraschend schnell, gerade noch rechtzeitig zur internationalen Tagung in Roding hatte der Hobby-Archäologe Harald Schaller die Ergebnisse der C-14-Datierungen von Holzkohle aus dem Erdstall Kühried erhalten. Die Funde stammen aus dem Verfüllschacht, dem Erdstall und dem Bauschacht. Demnach wurde der Erdstall in den Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende gebaut. Das gleiche Alter weist die Holzkohle aus einem Gang des Erdstalles auf, rund 200 Jahre jünger (um 1200 n.C.) ist die Holzkohle aus dem Verfüllschacht.

Diese höchst interessanten Erkenntisse, wie auch exakte Informationen über die Zusammensetzung und Art der Verfüllung des vermutlichen Einstiegschachtes zum Erdstall, verdanken die Forscher der genauen und wissenschaftlich einwandfreien akribischen Vorgehensweise von Harald Schaller. Nach der Entdeckung und Freilegung des Erdstalles im März diesen Jahres (wir berichteten) war der stets hinter Trockenmauern verborgene Bauschacht des Erdstalles ausgebraben, das Erdreich gesiebt worden, wobei man auf die Holzkohle stieß. Ebenso verfuhr man mit dem Verfüllschacht, der, wie die beiden Referenten berichteten, mit einer Steinkuppel abgedeckt war. In der Verfüllmasse, die -wie schon aus anderen Erdställen bekannt - in Schichten eingebracht worden war, fanden sich Keramikteile, Teile von Eisenwerkzeugen, Holzkohlestückchen. Die Datierungen hier weisen ins Hochmitttelalter um 1200. Noch weiter zu erforschen sein werden die genaueren Verfüllumstände; so müssen hier starke Feuer entzüdet worden sein. Die extrem hohen Temperaturen sind, wie Schaller ausführte an den Schachtmauern u.a. erkennbar. Großen Dank richtete die Vorsitzende Arbeitskreises Erdstallforschung Regine Glatthaar, die mit ihrem Team, allen voran Hannelore Schulz, eine höchst interessante und gelungene Tagung organisiert hatte, noch während der Vorträge, aber auch nachmittags vor Ort bei der Exkursion, an die Verantwortlichen in Kühried. Von der Entdeckung über die Ausgrabung bis hin zur Sicherung sei alles so vor sich gegangen, wie man es sich nur wünschen könne. Die sensationallen Ergebnisse seien nun Lohn für diese Bemühungen. Der Gemeinde Teunz gebühre Dank für die Kostenübernahme bei der Sicherung des Erdstalls und für die C-14- Untersuchung der Holzkohle, versicherte Glatthaar gegenüber Bürgermeister Josef Klier.

Beinahe werfen jedoch die ersten Forschungsergebnisse aus Kühried nun mehr Fragen auf, als sie beantworten, waren sich die Erdstallforscher einig. Gerade im Hinblick auf die neuen Informationen zur Zeitstellung höchst interessant hatte man am Samstag morgen von Professor Dr. Dietrich Manske von der Universität Regensburg bereits einen umfassenden Überblick über die jüngeren Forschungen zur Siedlungsentwicklung in der Oberpfalz erhalten. Der Spezialist in der Siedlungsgeographie gab eine fundierte Zusammenschau archäologischer, historischer, sprachgeschichtlicher und kulturgeographischer Ergebnisse. Demnach dürfte die Oberpfalz und ihre bevorzugten Siedungsräume, die Cham-Further-Senke, wie auch anderen Flusstäler und niedrigeren Berglagen des Oberpfälzer Waldes ein Begegnungsraum für Bajuwaren, Franken und Slaven, die aus dem böhmischen Becken wie auch aus dem Lausitzbecken einwanderten, gewesen sein.

Dr. Heinrich Kusch von der Universität Graz entführte die Tagungsteilnehmer daraufhin in verschiedene Kulthöhlen in ganz Europa, wobei er per Dias nicht nur eine Reise durch viele Länder unternahm, sondern auch eine Zeitreise vom Paläolithikum bis zur Gegenwart. Alle Vorträge und Redebeiträge während des dreitägigen Kongresses wurden übersetzt von Vorstandsmitglied Dorothée Kleinmann aus Darmstadt, bzw. Chinon. In zwei große Gruppen aufgeteilt, konnten sich am Nachmittag die Tagungsteilnehmer ein Bild von ausgewählten Erdställen in der Oberpfälz machen. Im Bus fuhren etwa 50 Erdstallforscher, darunter die Gäste aus Österreich, Frankreich, Belgien und der Schweiz zunächst nach Kühried, Gemeinde Teunz, wo der Erdstall für diesen Exkursionstag extra noch einmal geöffnet worden war. Anschließend wurde die Rabmühle, Gemeinde Stamsried, besichtigt. Die andere Forschergruppe war in PKWs unterwegs nach Waffenbrunn, wo die Sicherung und Präsentation des Erdstalls besichtigt und das Engagement der Gemeinde ausdrücklich gewürdigt wurde. Unter Führung von Heimatpfleger Theo Männer aus Neunburg v.W. wurden anschließend die Erdställe Oberviechtach und ebenfalls Kühried besichtigt. Nach dem langen Tag gingen die Diskussionen und Vorträge dennoch bis etwa um Mitternacht engagiert weiter, Guy Francois aus der Normandie stellte seine Forschergesellschaft, die Sub-Artesia, und deren Vorhaben vor. Luc Stevens, Präsident der SFES, französische Schwestergesllschaft des Arbeitskreises für Erdstallforschung, sprach ein kurzes Grußwort und lud bereits jetzt alle Erdstallforscher zum nächsten SFES-Kongres Anfang September 2003 ins Vendée im Westen Frankreichs ein. Josef Weichenberger, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises, aus Linz berichtete von Ausgrabungen von einem Erdstall in seinem Forschungsgebiet Oberösterreich. Während die genauen Ergebnisse zur Datierung nach ausstehen, könne man aber jetzt bereits sagen, dass auch hier das Mittelalter als Zeit der Erbauung der Erdställe anzunehmen ist. Einen Überblick über die Erdstallforschung in Niederösterreich seit über 100 Jahren gab am Sonntag vormittag schließlich Vorstandsmitglied Edith Bednarik aus Wien. Sie selbst dokumentierte und vermaß in den letzten zehn Jahren exakt 280 Erdställe in ihrem Gebiet. Viele von ihnen konnten gerade noch rechtzeitig vor ihrer Zerstörung oder Verschließung vermessen und aufgezeichnet werden.Bevor schließlich Michael Läntzsch aus Goslar kurz in die frühere Welt des Aberglaubens entführte, referierte die Kontaktfrau zwischen deutsch- und französischensprachigen Erdstallforschern, Dorothée Kleinmann über die kultische Deutungshypothese von bayerisch-österreichischen Erdställen und französischen Souterrains aus der Sicht des bereits verstorbenen Erdstallforschers Maurice Broens. Dieses Referat nahm sie zum Anlass einen dringenden Apell zur Ausweitung der gemeinsamen Forschungen und des noch häufigeren Informationsaustausches an alle anwesenden Forscher zu richten. Auch die Vorsitzende des Arbeitskreises Regine Glatthaar unterstrich in einem Schlusswort, dass viele weitere Tagungen und Forschungen noch notwendig sein werden. Immerhin könne man nach wie vor keine Beweise oder auch klarere Hinweise auf den primären Erbauungszweck der Erdställe vorlegen, auch wenn man dank Kühried nun der Zeitstellung erheblich nähergekommen ist.