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Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2001        

21. bis 23.09.2001 im Kloster Strahlfeld bei Roding

Waffenbrunn


Trebersdorf


Loitzeldorf
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Ist das Geheimnis der Erdställe doch im Jenseitsglauben alter Zeit zu finden?
Arbeitskreis für Erdstallforschung gedachte bei seiner Tagung seines Gründers Karl Schwarzfischer
Nächstes Jahr internationale Tagung in Roding
Erdstallforscher aus Österreich, Frankreich und Deutschland trafen sich vergangenes Wochenende, wie schon im letzten Jahr, in Roding, um hier Schrazellöcher zu besuchen und die neuesten Forschungsergebnisse zu diskutieren. Beschlossen wurde im nächsten Jahr, 22 Jahre nach dem letzten großen Kongress mit Erdstallforschern aus aller Welt in Roding, wieder zu einer internationalen Tagung an den Regen einzuladen. Beginnen wird sie mit der Eröffnung einer Ausstellung im Rodinger Rathaus in Zusammenhang der 50-Jahrfeier zur Stadterhebung Roding.

Am Beginn der diesjährigen Erdstalltagung stand das Gedenken an den Begründer des Arbeitskreises für Erdstallforschung Karl Schwarzfischer, der erst Anfang des Monats verstorben war. Vorsitzende Regine Glatthaar würdigte vor rund 40 Erdstallforschern aus dem In- und Ausland, darunter auch der Vorsitzender der französischen Schwestergesellschaft Luc Stevens sowie die Vertreter der Österreichischen Forscher Edith Bednarik und Josef Weichenberger, die Verdienste des Verstorbenen um die Erdstallforschung. "Ohne Karl Schwarfischer gäbe es keine Erdstallforschung in Bayern", betonte sie wörtlich.
Gerade aber die beiden Hauptwerke des Begründers, langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Schwarzfischer, die sich mit dem Bau und dem Zweck der künstlichen unterirdischen Höhlen beschäftigen, erfuhren bei der diesjährigen dreitägigen Tagung, die erneut im Kloster Strahlfeld abgehalten wurde, eine besondere Aktualität: Josef Weichenberger berichtete über seine neusten Erkenntnisse zum Bau der Erdställe und Anton Haschner legte die Ergebnisse seiner Arbeiten vor, wonach der Zweck der Erdställe in den Jenseitsvorstellungen der frühen Christen zu suchen sei. Auch Schwarzfischer hatte sich bereits intensiv mit der Bauweise der Schrazellöcher auseinandergesetzt und vermutet, dass es sich um Leergräber für verstorbene Ahnen handeln könnte.

Am Freitagabend konnte Regine Glatthaar zunächst aber noch berichten, dass das Interesse an den Erdställen weiterhin groß sei. Erneut seien Fernsehteams vor Ort gewesen; eine Sendung wird am 11. Oktober, 19.30 Uhr im Bay. Fernseherausgestrahlt. Auch zu Vorträgen seien sie und weitere Mitglieder der Vorstandschaft bayernweit unterwegs gewesen. Der Verbindungsfrau und Übersetzerin des Arbeitskreises Dorothe Kleinmann aus Darmstadt gratulierte Regine Glatthaar namens des Arbeitskreises zum 75. Geburtstag, den diese heuer feiern konnte. Als Anerkennung ihrer sehr zeitintensiven Tätigkeit für die Erdstallforschung wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt. Im Mittelpunkt des Freitagabend stand schließlich der Vortrag von Thomas Striebel über "die Heidenhöhlen bei Zizenhausen und andere künstliche Höhlen im Bodenseeraum". Mehrheitlich war man jedoch der Auffassung, dass es sich hierbei nicht um Erställe im eigentlichen Sinnen handelt.
Am Samstag stand der Besuch dreier Erdställe im Landkreis Cham auf dem Programm. Ein Bus brachte die rund 40 Erdstallforscher zunächst nach Waffenbrunn, wo im Zuge der Dorferneuerung ein Erdstall mitten im Ort wieder zugänglich gemacht wurde und auch gesichert werden soll. Als beispielhaft lobten die Tagungsteilnehmer dieses Engagement und Interesse der Gemeinde an den wertvollen historischen Bodendenkmalen. Vor Ort wurden die Tagungsteilnehmer von Bürgermeister Georg Hiegl und dem Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Willibald Aschenbrenner begrüßt, bevor sie sich unter Tage begaben und sich selbst ein Bild von den beiden erhaltenen schönen Schlupfen machen konnten.

Nachdem der neue Prasident der französichen Souterrainforschung Luc Stevens aus Belgien noch die Gelegenheit bekommen hatte den Erdstall Rabmühle in der Gemeinde Stamsried zu besichtigen, ging es nachmittags zu den Erdställen Trebersdorf und Loitzendorf. Der erste der Erdställe ist nicht nur wegen seiner recht engen Vertikal- und Horizontalschlupfe als sehr erhaltenswert einzustufen sondern auch, weil er als einer der wenigen in seiner ursprünglichen Ausdenhnung sogar mit dem ursprünglichen Einstieg erhalten ist. Zudem stammt aus dem - wohl rituell verfüllten Einstiegsschacht - eine der wenigen datierbaren Funde aus Erdstallen, die beweist, dass der Erdstall in Trebersdorf seit 960 nach Christus nicht mehr benutzt wurde.

Zwei Erdstallfragmente warteten in Loitzendorf in unmittelbarer Nähe der Kirche auf die Höhlenforscher. Einer von beiden ist seit 1976 bekannt, er wurde bei Bauarbeiten entdeckt. Vom Vorhandensein des zweiten aber im Bereich des erweiterten Friedhofes erfuhr man erst vor fünf Jahren, als der Totengräber beim Vorbereiten einer Grabstelle einbrach und sich unter ihm die Erde auftat. Das Fragment, gleich von Mitgliedern des Arbeitskreisen vermessen, enthielt noch zwei schöne Gangabschnitte mit Schlupfen. Einer von beiden ist heute verschüttet. Auch wurde das Grab über dem Erdstall verschlossen. Für die Exkursionsteilnehmer öffnete die Gemeinde noch einmal den Erdstall. So mancher Kirchen- und Friedhofbesucher mag sich dann gewundert haben, als so viele Frauen und Männer der Reihe nach in schmutzigen Overalls in ein offenes Grab einstiegen und dem wenig später wieder entstiegen. Da sich rund um den Erdstall frische Gräber befinden und ohnehin nur mehr ein Gangfragment erhalten ist, wird diese einst wohl schöne und ausgedehnte Anlage jetzt aufgegeben und verschlossen werden.
Abends zurück in Strahlfeld referierte Josef Weichenberger über Schwierigkeiten und Möglichkeiten beim Bau eines Erdstalles. Besonders ausführlich ging er dabei auf die Bauschächte ein, von deren Vorhandensein die Trockenmauern in den Erdställen zeugen. Weichenberger regte an, das Verfüllmaterial hinter den Trockenmauern genau archäologisch zu untersuchen. Fänden sich hier datierbare Scherben oder Holzkohle, könnte man Aussagen darüber machen, wann die Erdställe erbaut wurden, was nach wie vor unbewiesen ist.

Mit Spannung erwarteten die Erdstallforscher den Vortrag von Anton Haschner am Sonntag vormittag, der in Aussicht gestellt hatte, das Rätsel der Erdställe zu lösen. Vorbereitend stellte Herbert Wimmer seine Überzeugung zur Definition der Erdställe und deren Einteilung in fünf regional unterscheidbare Bautypen vor. Demnach spielt allein die Region, nicht aber die Geologie eine Rolle. Haschner stieß bei seinen Forschungen auf Beschreibungen von Seelenkammern. Unter dem Einfluss von griechisch-römischen Vorstellungen herrschte im frühen Christentum die Meinung vor, dass die Seelen an speziellen Orten auf den jüngsten Tag und das jüngste Gericht warten, um sich dann wieder mit den Körpern in den Gräber zu vereinen. Würde man die Jenseitsvorstellungen der Bevölkerungsgruppen im Laufe der Geschichte untersuchen, könnte man wohl die unterschiedlichen Erdstalltypen erklären und auch Aufschluss über deren Alter erhalten. Für die Erdstallforscher aller Länder also bleibt es weiterhin spannend, dem Rätsel der Erdställe auf die Spur zu kommen.