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Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2000        

22. bis 24.09.2000 im Kloster Strahlfeld bei Roding



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Vom "Dom-Keller" zum Wespentaillen-Schlupf
Deutsch-österreichische Erdstallforscher in Schwandorfer Felsenkellern und Rodinger Schratzellöcher
Dunkle Weite und hautnahe Enge. Ein Kontrastprogramm hielt rund 40 Erdstallforscher aus Deutschland und Österreich am Samstag unter Tage. Vom ausgedehnten Felsenkellerlabyrinth in Schwandorf ging es nachmittags in Erdställe um Roding, vor deren engen Schlupfen einige Freunde der Unterwelt kapitulieren mussten. Eingerahmt waren die Exkursionen von drei Fachvorträgen, die sich schwerpunktmäßig mit der Typisierung von Erdställen befassten.
Die Rätsel der Erdställe haben jetzt Typenbezeichnungen. In Roding, der Heimat des Arbeitskreises für Erdstallforschung, stellten Edith Bednarik, Wiener-Neustadt, Herbert Wimmer, München, und Anton Haschner, Dachau, bei der dreitägigen Jahrestagung der österreichischen und deutschen Erdstallforscher Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Gerade der Vortrag Bednariks, auch als Erdstallpäpstin in den Fußstapfen des Erdstallpioniers Lambert Karner bezeichnet, führte zur intensiven Erörterung der Erdstallproblematik. Von allen Seiten wurde die Notwendigkeit betont, zu einer eindeutigen Definition von Erdställen zu kommen, um sich von da aus den beiden großen Rätseln um die Erdställe - wann und warum wurden sie erbaut - annähern zu können.
Bednarik, die seit Jahrzehnten Erdställe hauptsächlich in Niederösterreich befährt, diese vermisst und dokumentiert, kann nun regionale Typenunterschiede der dortigen Erdställe nachweisen. Mithilfe von Lichtbildern und Grundrissplänen zeigte sie die Unterschiede in der Erdstallbauweise, von künstlichen Höhlen mit Rundgängen, Schlupfen zu Erdställen, zu deren charakteristischen Elementen lange Kriechgänge unterbrochen von Kammern gehören.
Herbert Wimmer ergänzte diese Typisierung um den bayerischen Raum, in dem er hauptsächlich zwischen Erdställen mit langem Hauptgang, Schlupfen und mehreren Nebengängen sowie weniger ausgedehnten Höhlen mit Vertikalschlupfen und Arbeitsschächten aus der Zeit der Erbauung unterschied. Ausgehend von den verschiedenen Typen, die noch exakter definiert werden sollten, so die überwiegende Meinung aus dem Plenum, könnte nun untersucht werden, ob die unterschiedliche Bauweise auf Unterschiede in Alter oder Zweck der Erdställe hinweisen könnte. Zur Frage der Deutung nahm Anton Haschner in seinem Vortrag Stellung. Er brachte über Ähnlichkeiten in Grundrissen und Parallelen in der Idee Erdställe in Zusammenhang mit Katakomben oder Krypten. Er kündigte an, sich von diesem Ausgangspunkt aus Gedanken über einen möglicherweise ausgeübten Kult in den Erdställen zu machen.
Mancherorts müsste genauestens darauf geachtet werden, dass keine (Lager-)Keller als Erdställe ausgegeben werden, unterstrich der oberösterreichische Erdstallforscher Josef Weichenberger. Im kommenden Frühjahr will deshalb eine "Expertengruppe" gemeinsam ins Weinviertel reisen, wo eventuelle strittige Objekte befahren und anschließend vor Ort begutachtet werden können.
Nicht immer schließlich müssen die Unterschiede zwischen Kellersystem und Erdstall - ohne erkennbaren rationellen Zweck - so offenkundig sein, wie im Vergleich der Schwandorfer Felsenkeller und der Erdställe bei Roding. Zwei Stunden wanderten die Erdstallforscher, geführt vom Felsenkellerbeauftragten der Stadt Schwandorf, Archäologe und selbst Höhlenforscher, Hans-Werner Robold, durch das sogenannte Felsenkellerlabyrinth. Die Ausdehnung der Kelleranlage beeindruckte die weitaus kleinere Dimensionen gewohnten Erdstallforscher ebenso wie die Anstrengungen der Stadt Schwandorf, ihre Felsenkeller zu dokumentieren, auszuräumen, zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Zwei Alternativprogramme warteten dann am Nachmittag auf die Freunde künstlicher Höhlen: Neulinge und weniger Geübte wurden durch den "Vorzeige-Erdstall" Rabmühle, Gemeinde Stamsried, sowie einen Erdstall in Wulfing mit schon deutlich engeren Schlupfen geführt. Für die anderen waren die Erdställe in Eidengrub und Hochbrunn geöffnet und ausgepumpt worden. Waren es beim ersteren Schratzelloch die wespentaillen-engen Schlupfe, die kräftigere Erdstallfreunde an der kompletten Befahrung hinderten, kapitulierten die meisten in Hochbrunn vor einem knietief schlammigen Gangstück in das man nur durch eine kreisrunde Öffnung mit nach oben ausgestreckten Armen hineinschmieren konnte. Erdställe - so recht nach dem Geschmack der Erdstallforscher. Die Gänge im Imhofpark wurden dagegen eindeutig als natürliche Höhlengänge, nicht als von Menschenhand erbaute Erdställe bewertet.
Da in und um Roding noch mehrere Interessante Erdstallobjekte besichtigt werden können, wird auch die nächstjährige Erdstalltagung in Roding, im Kloster Strahlfeld stattfinden. Die Vorsitzende des Arbeitskreises Regine Glatthaar hatte in einem kurzen Jahresrückblick insbesondere an den 85. Geburtstag des Rodinger Arbeitskreis-Gründers Karl Schwarzfischer erinnert, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an der Tagung teilnehmen konnte. Festgelegt wurde, dass Forschungsergebnisse von Mitgliedern des Arbeitskreises erst nach Veröffentlichung im vereinseigenen Jahresheft "Der Erdstall" aus urheberrechtlichen Gründen an Dritte weitergebenen werden.