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Bericht von den Erdstalltagungen
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Bericht von der Erdstalltagung 2007        

vom 21. bis 23. September in Strahlfeld


Höcherlmühle
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Grund- und Aufriss des Erdstalls Höcherlmühle (PDF)

Oberviechtach
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Von Regine Glatthaar

Am Freitagnachmittag saßen die weit angereisten Teilnehmer der jährlichen Erdstalltagung entspannt und gelöst in der warmen Herbstsonne im wunderschönen Klosterhof von Strahlfeld. Es herrscht schon immer eine besondere, freudig-lockere Atmosphäre, wenn sich die Forscherfreunde aus dem bayerisch-österreichischen Raum, aus Sachsen und Hessen nach einem Jahr wiedersehen. Viele kennen sich schon lange Zeit und es haben sich echte Freundschaften entwickelt.

Der erste Abend war ganz der Forschungsarbeit des verstorbenen 2. Vorsitzenden Anton Haschner aus Markt Indersdorf, Lkr. Dachau, gewidmet. Exkursionsberichte der Münchner Gruppe folgten, mit Dias anschaulich vorgetragen von Peter Forster.

In Saldenburg hat diese engagierte Gruppe den Erdstall Klessinger ausgegraben, vermessen und dokumentiert. Die Familie Klessinger ist so interessiert, dass sie einen kleinen Schauraum mit Infotafeln ausstatten und den Erdstall so ausleuchten will, dass er vom Eingang ein weites Stück eingesehen werden kann.

Die Erdhöhle Pettenau ist mit spannenden, zum Teil gruseligen Sagen behaftet und den fröhlichen Abschluss am Freitag bildete ein Rückblick auf die Tagung 2006. Am Samstag wurde es rätselhaft: "Sub hoc Enigmate".

Dr. Walter Kick und Anton Haschner war es gelungen ein Rätsel zu knacken, das in der verschollenen und nur durch Zufall erhalten gebliebenen Penzl-Chronik von Indersdorf von einem Mönch aufgezeichnet wurde. Dieses Rätsel galt in wissenschaftlichen Kreisen als unlösbar, seine Entschlüsselung brachte nun Hinweise auf die Örtlichkeiten, wo das Chorherrnstift von Indersdorf während der Kriegsläufte im 17. und 18. Jahrhundert seine Schätze versteckt hatte. Da die Rätsellösung bei einer Erdstalltagung vorgestellt wurde, liegt der Schluss nicht fern, dass wir dadurch wertvolle Hinweise auf Erdstallorte erhalten haben.

Ein Highlight der Tagung ist die nachmittägliche Exkursion, diesmal nach Oberviechtach und Kühried, Gde. Teunz. Bürgermeister Klier von Teunz hat es sich nicht nehmen lassen, die große Gruppe beim besterforschten Erdstall zu begrüßen, der extra für diesen Tag von Harald Schaller und Gemeindemitarbeitern wieder geöffnet wurde.

In Oberviechtach wurden die Erdstaller von der Familie Schießl freundlich aufgenommen, in deren Keller sich das zweite Besichtigungsobjekt befindet. An diesem Schrazelloch in seinem Elternhaus war schon immer Pfarrer Konrad Schießl sehr interessiert, der mit dem Arbeitskreis Kontakt aufgenommen hatte. Wie wir zu unserem großen Bedauern erfahren mussten ist er jetzt im September vor wenigen Tagen gestorben.

Die Schießls hatten im Hof Bänke aufgestellt wo alle Platz fanden, die wegen des großen Andrangs gerade nicht in die Unterwelt steigen konnten. Sie wurden vom Hausherrn mit herrlichen dunkelblauen Trauben von der Pergola und der Hauswand versorgt und genossen den wunderschönen Herbsttag.

Am Samstagabend folgte der vorgezogene Vortrag von Dr. Heinrich Kusch über die rätselhafte Unterwelt um das Kloster Vorau in der Steiermark. Durch ihre Recherchen zu Erdställen sind Dr. Kusch und seine Frau Ingrid auf sensationelle, kilometerlange unterirdische Gangsysteme gestoßen, die mit den üblichen Erdställen eigentlich nichts zu tun haben und möglicherweise der Megalithzeit zuzuordnen sind. Einige Wissenschaftler befassen sich zwischenzeitlich mit diesem unglaublichen Projekt, das wirklich erst am Anfang der Entdeckung steht. Um so mehr dürfen wir vom Arbeitskreis für Erdstallforschung stolz darauf sein, dass sich Dr. Kusch nicht gescheut hat, uns Einblick in den augenblicklichen Forschungsstand zu geben. Wörtlich sagte er:"Wir kratzen erst an der Oberfläche." Wir dürfen sehr gespannt sein, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt. Mitglieder des Arbeitskreises sind jedenfalls herzlich eingeladen zu gewaltigen Arbeitseinsätzen, in zwei Jahren findet dann die Jahrestagung vermutlich in der Steiermark statt.

Am Sonntag berichtete zunächst Dieter Ahlborn, der als 2. Vorsitzender gewählt wurde, über mehrere kleinere Aktivitäten sowie über die sehr seltsamen Rahmenkonstruktionen, die bisweilen die hautengen Schlupfe einfassen. Es handelt sich meist um Holzrahmen mit einem sauberen Lehmverstrich, wobei sich das Holz in den letzten Jahrhunderten buchstäblich aufgelöst hat. Josef Weichenberger aus Linz beleuchtete die Erdställe aus pragmatischer Sicht. Er hat Selbstversuche in Erdställen unternommen und zeigte viele erstklassige Dias, die aber eher dazu geeignet waren, sich von der Erdstallforschung fernzuhalten. Die Schlupfe, durch die sich die Forscher bei der Befahrung zwängen, sind unglaublich eng, die Overalls nass und lehmverkrustet, und es ist verständlich, dass ein Franzose, der so einem lehmverschmierten Wesen an die Oberfläche half, erleichtert feststellte:"Es ist ein Junge!"

Den letzten Vortrag hielt Edith Bednarik aus Wiener Neustadt, die mit ihren beiden Freundinnen ununterbrochen auf Erdstallentdeckungstour ist. Sie finden durch hartnäckiges Recherchieren Erdstallanlagen mit Rundgängen und engen Kriechpassagen, so dass sogar die eigene Enkelin geopfert wird, weil nur ein spindeldünnes 10-jähriges Mädchen eingeschoben werden kann um den letzten Messpunkt zu setzen. Man hat die Julia natürlich anschließend wieder gerettet. Mit dem Mittagessen am Sonntag endete die heurige Tagung, die interessant und aufregend war, aber die allerletzte Erkenntnis über die Erdställe doch noch nicht geliefert hat, wie ein Teilnehmer bemerkte, denn:"Wir könnten uns sonst nie mehr zu solch wunderbaren Tagungen treffen!"

Auf Wiedersehen, nächstes Jahr in Strahlfeld!